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"Zurück zum menschlichen Maß. Die Visionen Leopold Kohrs

24.05.2019 19:00 Alter: -14 hrs

Wir freuen uns, im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen einen interessante Vortrag anbieten zu könne

Spätestens seitdem der Club of Rome in den 1970er Jahren auf die „Grenzen des Wachstums“ hinwies, sind die bereits in den 1940er und 1950er Jahren entwickelten Gedanken Leopold Kohrs wieder hoch aktuell. Die seit dem Wiederaufbau geltende Vorstellung, dass ein wie immer definierter Fortschritt ausschließlich auf Wachstum und Beschleunigung beruht, ist mittlerweile überholt. Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ist man allenthalten auf der Suche nach Alternativen zum Übermäßigen, Unüberschaubaren und Unkontrollierbaren. Auch Kohr wurde neu entdeckt und von vielen Denkern und Gruppen rezipiert. Er gilt als „Vater der Grünen“ und liefert gleichermaßen den Klein- und Mittelunternehmen Argumente gegen die Konkurrenz der Großkonzerne. Kohr tritt für kleine Staaten und kleinräumige Wirtschaftskreisläufe ein. Er kritisiert Kapitalismus und Kommunismus nicht „nur) wegen ihrer ideologischen Grundlagen, sondern weil sie zu große Organisationen, zu große staatliche und ökonomische Einheiten produzieren.

Kohrs Forderung einer „Rückkehr zum menschlichen Maß“ ist keine konservative Reaktion auf die Unübersichtlichkeit der modernen Gesellschaft. Sie bringt einen neuen Fortschritt unter geänderten Paradigmen, nämlich Selbstverantwortung, Lebensqualität und die Lösung von Problemen im Kleinen. Daraus ergibt sich, dass lokale und regionale Gesellschaften neue Bedeutung erhalten müssen, gerade im Ausgleich zur weltumspannenden Macht des globalisierten Kapitalismus. Daraus ergibt sich aber auch, dass die Möglichkeit einer (Selbst)Entwicklung von Regionen nicht auf die Industriestaaten beschränkt bleiben kann. Schon in den 1970er Jahren hat Leopold Kohr in seinem Buch „Development Without Aid“ auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung der ärmsten Staaten und Regionen der Welt hingewiesen, die nicht zentral gesteuert und mit neuen Abhängigkeiten versehen, sondern aus den Regionen selbst kommen muss. Leopold Kohrs Plädoyer für kleine Einheiten und das menschliche Maß bietet keine geschlossene Theorie, aber eine Vielzahl an Anregungen, wie Probleme der Globalisierung – wenn schon nicht gelöst – so doch gemindert werden können.

 

Zum Vortragenden:

Ewald Hiebl ist seit 1997 Historiker an der Universität Salzburg (Fachbereich Geschichte, Österreichische Geschichte) und leitet seit 2007 das Leopold-Kohr-Archiv an der Universität Salzburg.

Das Studium der Germanistik und Geschichte schloss er 1991 ab. Während des Doktoratsstudiums Geschichte (Rigorosum 1997 zur Sozialstruktur der Bergbaustadt Hallein um 1900) absolvierte er sein Unterrichtspraktikum und war in der Erwachsenenbildung sowie in zahlreichen Forschungsprojekten und Organisationen tätig. Neben der Tätigkeit als Wissenschafter arbeitet Ewald Hiebl aeit 1993 als Hörfunkjournalist, 2008 wurde er dafür mit dem Andreas-Reischek-Preis ausgezeichnet.

Forschungs- und Lehrschwerpunkte: Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Regional- und Mikrogeschichte, 1968 und Neue Soziale Bewegungen, Leopold Kohr, Mediengeschichte, Politische Bildung, Neue Medien, Wissensvermittlung.

 

Eintritt frei - Spenden willkommen - keine Anmeldung notwendig

Datum: 24.05.2019, Zeit: 19:00 Uhr, Ort: Matthäuskirche, Hinweis: Vortrag Dr.E.Hiebl