Pfarrer
Christian Fliegenschnee

 

Liebe Mitglieder der Pfarrgemeinde,

mit 1. September beginne ich im Rahmen des Diakoniewerkes auf einer Projektpfarrstelle zu arbeiten. Dort wird es meine Aufgabe sein, einerseits seelsorgerlich die Menschen in diversen Einrichtungen des Diakoniewerkes Gallneukirchen zu betreuen und andererseits in der dortigen Abteilung für Identitätsentwicklung mitzuarbeiten. Hinter dieser ungewöhnlichen Bezeichnung verbergen sich mehrere Aufgaben: neuen Mitarbeitenden die christlichen Wurzeln der Unternehmenskultur näher zu bringen und auch in der Weiterbildung von Mitarbeitenden Angebote zu machen, die diakonisches Selbstverständnis vertiefen. Auch für den Leitbildprozess ist die Abteilung für Identitätsentwicklung zuständig.
Meine Pfarrstelle in der Matthäuskirche wurde daher zur Neubesetzung ausgeschrieben. Es gibt mittlerweile auch einen Bewerber. Ich gehe davon aus, dass sich in der nächsten Ausgabe von „evangelisch leben“ die Person vorstellen wird, die meine Nachfolge antritt. Darum möchte ich die Gelegenheit nutzen von dieser Stelle ein paar Worte des Abschiedes zu sagen:

1.       Danke! Ich danke allen, die in den vergangenen Jahren ein Stück ihrer Lebenszeit mit mir geteilt haben! Danke allen, die sich mit mir engagiert haben, die Freude an Gott zum Ausdruck zu bringen! Und danke für alle Bestätigung und Anerkennung, die ich bekommen habe. Viele bleibende Erinnerungen werden mich auf meinen neuen Wegen begleiten. Danke aber auch für alle solidarische Kritik und Zurechtweisung und das Vertrauen, dass sie erst ermöglicht. Ja, danke für das Vertrauen und das große Wohlwollen, das ich so oft gespürt hab! Immer wieder habe ich das in mich gesetzte Vertrauen verletzt. Und damit komme ich zu meinem zweiten Punkt

2.       Ich bitte alle jene um Vergebung, die ich enttäuscht habe! Ein paar Gelegenheiten sind mir bewusst. Aber schlimmer sind meist die Verletzungen, die man unwissentlich anrichtet. Ich bitte um Vergebung! …für nicht eingehaltene Zusagen. Ja da muss ich wohl noch lernen, dass nicht der Wunsch etwas zu tun, die eigenen Ressourcen außer Acht lässt. … für unbedachte lieblose Worte! … für Missachtung von geleisteter Arbeit.

3.       Das lateinische Wort für „segnen“ ist benedicere. Das setzt sich zusammen aus bene (=gut) und dicere (=sagen), meint als „Gutes sagen“. Im Sinn von „alles Gute wünschen“ segne ich die Gemeinde und Sie als Lesende. Das ist ein tief empfundener Wunsch. Ich möchte, dass es der Gemeinde gut geht. Ich hab in den letzten Jahren hier in der Gemeinde immer wieder Menschen erlebt, die sich mit ihren Nöten an mich gewandt haben. Zum Grundbestand meiner Glaubensüberzeugung gehört 1.Tim. 2,4: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde, oder wie es zutreffender zu übersetzen ist: Gott will, dass alle Menschen Heil erfahren. Und so ist der Segen, den ich über Sie und diese Gemeinde ausspreche, mehr als ein frommer Wunsch. Es ist die Erinnerung, ja die Berufung auf Gottes Heilsplan.

4.       Mir ist umgekehrt bewusst, dass ich mit viel Segen gehe. So viel Wohlwollen, so viel Freundlichkeit, so viel Vertrauen zu erfahren, wie das mir passiert ist, ist ein Segen. Ich werde die vergangenen Jahre in wertschätzender Erinnerung bewahren. Ja es gab auch Enttäuschungen. Aber wer sich unter Gottes Segen weiß, kann wie Paulus sagen: Wir wissen, dass denen die Gott lieben, alle Dinge zum Besten gereichen. (Röm. 8,28)  Gott schreibt auch auf meinen krummen Linien gerade. Er wendet auch das Böse in Gutes. Und einmal, am Ende der Zeit, werde ich alles, auch das, was jetzt noch schmerzhaft ist, in seiner heilvollen Bedeutung erkennen.

 

Während ich dies schreibe, blühen die Tomaten, die ich im März gesät habe. Wenn Sie dies lesen, haben sie vielleicht schon die ersten Früchte. Und das nächste Fest im Kirchenjahr das Erntedankfest. Da bin ich dann schon nicht mehr Ihr Pfarrer. So wie ich – bildlich gesprochen – viel von dem ernten konnte, was andere ausgesät haben, so überlasse ich die Ernte dessen, was ich gesät habe anderen. Gott gebe, dass die Saat viel Frucht bringt!
Das Erntedankfest lädt uns ein, uns auf das zu fokussieren, was gewachsen ist. Wir dürfen dankbar wahrnehmen, was uns alles geschenkt ist. Erntedank ist aber noch mehr!   Epheser 5,2 ruft uns auf: Dankt Gott allezeit für alles! Dabei nicht zynisch zu werden, geht nur mit dem Glauben an Gottes verwandelnde Macht. Unlängst habe ich auf einer Spruchkarte gelesen: „Sometimes you win, sometimes you learn!“ Also: Manchmal gewinnst du, manchmal lernst du. Dankbar sein kann man auch für die Gelegenheiten, die lehrreich waren. So wird auch die Missernte zur Ernte und aus dem zynischen „Misserntedank“ wird ein echter Dank.

Ich freu mich über jedes Wiedersehen auch nach meinem Abschied! Bleiben Sie gesegnet!

Ihr

Christian Fliegenschnee

 

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