Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.
Prediger 4,6 (LUT)
Die Sommerferien gehen ihrem Ende entgegen, und mit ihnen auch die kurze Pause vom Weltgeschehen. Ende August füllen sich die Nachrichten wieder, die Debatten nehmen Fahrt auf, und mit ihnen dieses vertraute Gefühl: Man müsste doch etwas tun. Etwas dagegen. Irgendwie mitreden, mitkämpfen, Haltung zeigen – sonst zählt man ja nicht mit.
Der Prediger kennt diesen Drang. Zwei geballte Fäuste fühlen sich stark an, entschlossen, wach. Aber am Ende, sagt er, halten sie oft nur Wind. Nicht weil Engagement falsch wäre – sondern weil nicht jede Unruhe der Welt in unsere beiden Hände passt.
Eine offene Hand ist noch lange kein Rückzug. Sie ist die stillere Form von Kraft: hinsehen, statt sich zu verkrampfen. Da sein, statt überall dabei sein zu müssen. Vertrauen, dass nicht alles von den eigenen Fäusten abhängt.
Manchmal beginnt Verantwortung genau dort: Abwarten und Tee trinken – und erst dann entscheiden, wo die eigene Hand wirklich gebraucht wird.
Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron

