#53: Frieden lernen

Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.
Jesaja 2,4 (EU)

Wer die Nachrichten verfolgt, hört in diesen Worten fast Spott: Kriege dauern an, Verteidigungsbudgets wachsen, und auch die Sprache rüstet auf. Wir gewöhnen uns an Bilder, die uns früher erschüttert hätten.

Gerade deshalb lohnt der zweite Blick. Der Prophet sagt: Krieg wird erlernt. Er ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Übung, Gewöhnung und Feindbildern. Was gelernt wurde, kann verlernt werden. Und Frieden kann gelernt werden.

Das Bild von den Pflugscharen hat Geschichte. In den 1980er-Jahren trugen Christinnen und Christen in der DDR den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“, obwohl es sie in Bedrängnis brachte. Sie hielten an der Hoffnung fest, als sie unrealistisch schien, und manchmal wird sie dann doch Wirklichkeit.

Jesaja verspricht keinen Frieden aus eigener Kraft: Gott selbst schafft Recht. Das entlastet uns, ohne uns aus der Pflicht zu nehmen. Üben können wir jetzt: zuhören, Unterschiede aushalten, auf das letzte Wort verzichten, Menschen nicht auf ihre Herkunft reduzieren.

Der November erinnert an Verstorbene und an die Opfer von Gewalt. Nehmen wir die Losung als Einladung: Lasst uns Frieden lernen, im Gebet, im Gespräch, im Alltag.

Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron